Und wiedereinmal blieben die Regenpforten auf dem Langacker zu diesen Sonntag. Ende September begrüssten uns kuschlig warme 24 Grad, die Sohlen unserer Frauen liefen also bestimmt auch im Herbst heiss. Im Vorfeld der Partie frohlockten auch andere Wetternachrichten. Nach einer deutlichen Pleite gegen das ZSU 1 in der 2. Cup-Runde, stand Wald aufs Minimum reduziert auf dem Herrliberger Kunstrasen und schon vor Abpfiff mit Gewitterwolken über den Köpfen. Trotz verletzungsbedingten Ausfällen und hungrigen Waldfrauen blieben unsere Herrlibergerinnen aber sachlich und abgeklärt in der Vorbereitung auf den Ernstkampf. Ganz nach dem Motto „Klappe zu, Affe tot“.
Auftakt der Extraklasse
Genau so und nicht anders entwickelten sich die ersten 5 Minuten nach Anpfiff.
Selten wirkte unser junges Frauenteam so dominant und überlegen in einer Anfangsphase. Schon früh spürte man von der Seitenlinie aus, wie unsere Frauen wie Wasser an einer gerosteten Waldener Abwehr frass, Stück für Stück.
Dennoch erzielten wir das erste Tor nicht aus dem Spiel heraus sondern direkt durch eine Standardsituation. Nach einem Foul, rund 25 Meter vom Tor weg, legte sich Lianne Rechberger den Ball zurecht. Worte können nicht beschreiben, was sie mit eben diesem Ball gleich anstellen sollte. Der Vergleich hinkt nicht, wenn das Freistosstor dem von Ronaldinho 2002 gegen England glich. Ein Flatterball par excellence und für uns die verdiente Führung.
2’ 1:0 Herrliberg, Lianne Rechberger
Xavi und Iniesta lassen grüssen
Doch die Herrlibergerinnen liessen nach diesem kurzen Aufatmen nicht locker, im Gegenteil. Es wurde hoch angelaufen, gut gestört und zum Augenschmaus der Trainer Passstafetten gezündet, die an Prime Barcelona erinnerten. Einer dieser Dreieckpässe vollendete Fiona Formschön im unteren linken Eck in der 12ten Spielminute.
12’ 2:0 Herrliberg, Fiona Monteleone
Kurz darauf schlug Lianne wieder zu, diesmal aus noch weiterer Distanz. Ihr Schuss senkte sich in letzter Sekunde, sodass die Waldner Torwärtin ziemlich doof aus der Wäsche schaute, als ihr die Lederkugel aus den Fingern glitt.
13‘ 3:0 Herrliberg, Lianne Rechberger
Der Rucksack wird schwerer
Bis zur Mitte der ersten Halbzeit zeigten unsere Frauen Fussball auf hohem Niveau: Laufstark, mutig und mit viel Tempo. Dass dieses Feuerwerk mit dem hohen Kraftaufwand im Gepäck nicht über die volle Distanz brennen würde, war absehbar. Doch was die Zuschauer und die Trainerbank bis dahin zu sehen bekamen, durfte sich sehen lassen. Bis zum Pausenpfiff geschahen keine grossen Dinge mehr. Das Trainerduo musste sich hingegen ernsthaft überlegen, was sie in der Halbzeitansprache zu beanstanden hätten. Spoiler: Nicht viel, und so springen wir direkt zurück ins Geschehen.
Wald bissiger, aber nicht gefährlicher
In der zweiten Spielzeit zeigte sich der FC Wald bissiger und mit mehr Zug zum Tor. Zwar fehlten die klaren Torchancen, doch wo sie sich in den ersten 45 Minuten beinahe kaum im heimischen 16er einfanden, erspielte sich Wald doch etwas mehr Spielanteile. Aber an diesem Sonntag spielte uns so ziemlich alles in die Karten. Mit jeder Minute in der kein gegnerisches Tor fiel, fiel auch des Gegners Druck und Präsenz zusehends. Zu stark waren die Strapazen des Cup-Spiels in den Beinen zu spüren, zu abgeklärt die Spielweise unserer Herrlibergerinnen.
Höhepunkt und Tiefpunkt zum selben Zeitpunkt
Das etwas vor sich her plätschernde Spiel wurde durch eine Schrecksekunde plötzlich ernster, als es uns allen lieb gewesen wäre. Olivia Schneller bekam aus extrem kurzer Distanz den Spielball an die Schläfe und musste daraufhin sofort ausgewechselt werden.
Gesundheitsupdate: Olivia geht es den Umständen entsprechend gut, trägt jedoch eine Hirnerschütterung davon, gueti Besserig Oli!
Dicht gefolgt von dieser schwerwiegenden Situation erlöste uns Emily Imboden in der 65‘ mit dem Treffer, der das 3er Päckchen fest zuschnüren sollte. Grandios verwandelt, die Moral der Waldner Frauen endgültig gebrochen.
65‘ 4:0 Herrliberg, Emily Imboden
Abgeklärt bis zum Schluss
Spätestens nach diesem Treffer wechselte das Team in den abgeklärtesten Modus, den wir je gesehen haben. Lässig, unaufgeregt, fehlerfrei. Vielleicht war die allerfeinste Klinge schon etwas abgenutzt nach vier sehenswerten Toren, doch gegen den gebeutelten FC Wald allemal ausreichend.
Debüt nach Mass
Das Tüpfelchen auf dem i setzte unsere neueste Tor-Debütantin Aylin Bähler, die nach einem Ballverlust des FC Wald einen Steilpass gekonnt verarbeitete und ihr Tempo so richtig in Szene setzte. Das Aylin schiessen kann, hat sie im Warm Up der Partier bereits gezeigt, nun beweist sie sich auch selbst, dass sie bei uns voll angekommen ist. Herzlichen Glückwunsch Aylin!
88‘ 5:0 Herrliberg, Aylin Bähler
Der kleine Schönheitsfehler
Leider wurde das Spiel nach diesem Schlussstrich nicht abgepfiffen, und so gelang es dem FC Wald doch tatsächlich noch in der Nachspielzeit unserer Torwärtin Nele Schreiber den „Clean Sheet“ zu verwehren, den sie sich verdient gehabt hätte nach einer blitzsauberen Leistung.
Fazit
Mit dem 5:1 gegen den FC Wald holt Herrliberg drei Punkte, die nie ernsthaft in Gefahr waren. Der frühe Freistoss-Knaller, die Passstafetten im Barcelona-Stil und eine abgeklärte Defensive machten den Unterschied. Dass die Kräfte nach dem Blitzstart etwas nachliessen, war verkraftbar, wenn man da schon 3:0 führt. Getrübt wurde der Nachmittag einzig durch die Verletzung von Olivia, der wir von hier aus nochmals gute Besserung wünschen.
Ausblick
Schon am kommenden Sonntag wartet mit dem FC Südost ein Gegner auf Augenhöhe. In der Tabelle liegen beide Teams nah beieinander, und wir stehen aktuell auf Rang drei. Das wird keine Kür wie gegen Wald, sondern ein Spiel, das über Zweikämpfe, Konzentration und den längeren Atem entschieden wird. Der Auftritt vom Sonntag hat gezeigt, wozu unsere Frauen fähig sind. Jetzt gilt es zu beweisen, dass er kein Zufall war. Hopp Herrliberg🖤💛
Telegramm
Verlauf
Aufstellung
Ersatz
VerbandSpielbericht beim FVRZ


