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Matchbericht

FCH Frauen 1: Last-Minute-Drama: Herrliberg glaubt bis zur 94. und belohnt sich spektakulär

Matchbericht zur Frauen 4. Liga Gruppe 4: FCH Frauen – FFC Südost II 1:1 (0:1)

Neunzig Minuten lang stand diese Südost-Abwehr wie eine Mauer. In der vierundneunzigsten fiel sie doch noch.

Aus dem obersten Regal

Dass dieser Mittwochabend kein gewöhnlicher werden würde, pfiffen die Spatzen schon vor dem Anpfiff vom Dach. Südost, ausfallgeplagt, hatte sich Verstärkung geholt – und zwar nicht bei den B-Juniorinnen, sondern gleich aus dem obersten Regalfach. Vier Spielerinnen der ersten Mannschaft standen in der Startelf, die Abwehrreihe bestand aus lauter Zweitliga-Kalibern. Ausgewechselt wurde keine von ihnen. Man wollte an diesem Abend offenbar nichts dem Zufall überlassen.

Kein Wunder, denn die Tabelle passte wie die Faust aufs Auge: Südost lauerte als Vierter nur zwei Zähler hinter unseren Frauen. Ein Sieg der Gäste, und die Rangliste hätte sich gedreht.

Ganz eingespielt wirkte die geliehene Pracht dann allerdings doch nicht. Eine eingewechselte Südost-Spielerin erkundigte sich auf dem Platz bei ihrer Mitspielerin allen Ernstes: «Sorry, wie isch nomal din Name gsi?» Kein Ruhmesblatt für eine Mannschaft, die mit solchen Namen anreist – und ein erster Hinweis darauf, dass dieses Bollwerk vielleicht doch nicht aus einem Guss war.

Zehn Minuten, und das Geschenk war verpackt

Vorerst aber hielt es. Schlimmer noch: Die Quittung für die eigene Nachlässigkeit kam früh. In der 10. Minute leistete sich die Herrliberger Hintermannschaft einen Patzer, und Louise Galatoire bedankte sich artig.

0:1 FFC Südost II, Louise Galatoire, 10′

Danach wurde es zäh. Im eigenen Sechzehner bekam Herrliberg den Ball kaum sauber geklärt, vorne fehlte der letzte Zug zum Tor. Ordentlich, ja. Aber ordentlich reicht gegen ein solches Bollwerk eben nicht. Mit einem Torschuss-Konto nahe null ging es in die Kabine – und dort wurde es laut.

Klartext zur Pause

Es waren exakt dieselben Punkte wie schon gegen Egg. One-Touch-Fussball statt Kleben am Ball. Die Dreierabwehr nur auf Sechzehnerbreite agieren lassen. Bei eigenen Pässen immer einen Schritt auf den Ball zu. Und zuletzt, in aller Deutlichkeit: aggressiv gegen diese solide Abwehr anrennen, statt sie zu bestaunen.

Wie Wasser am Fels

Die Worte sassen. Was nach dem Seitenwechsel aus der Kabine kam, war ein anderes Team: Herrliberg übernahm das Kommando, drückte Südost in die eigene Hälfte und liess hinten praktisch nichts mehr zu – die Gäste kamen im ganzen zweiten Durchgang kaum noch vors Tor und verlegten sich aufs reine Verteidigen.

Und mit jeder Minute nagte Herrliberg ein Stückchen mehr am Bollwerk. Plötzlich sprangen Bälle dort weg, wo vorher alles seine Ordnung hatte. Pässe kamen nicht mehr an, Klärungsversuche gerieten zu kurz, in die Zweitliga-Abwehr schlichen sich Fehler und Unsicherheiten. Von der Seitenlinie kam dazu, was in dieser Phase Gold wert ist: Die Herrliberger Fans waren lautstark zu hören und schoben ihre Mannschaft förmlich nach vorne.

So tickte die Uhr in die Nachspielzeit – und dann wurde es wild.

Vorteil, Pfiff, Hoffnung

Zuerst räumte eine Südostlerin unsere Marley neben dem Sechzehner ab. Alle warteten auf den Pfiff. Nichts. Die Trainerbank tobte und rechnete bereits mit einer Backpfeife aus gelbem Karton, ehe sich die Erkenntnis durchsetzte: Der Schiri hatte Vorteil laufen lassen. Und als nur Sekundenbruchteile später die nächste Herrlibergerin zu Fall kam, ertönte er endlich, der ersehnte Ton aus dem Mundinstrument des Unparteiischen.

Freistoss in der Nachspielzeit. Oder anders gefragt: Remontada möglich?

Die vierundneunzigste Minute

Rund zwanzig Meter vor dem Tor, die Uhr bei 90+4, die letzte Chance des Abends. Lorena Hug legte sich den Ball zurecht – und traf.

1:1 FCH Lorena Hug, 90+4′, Freistoss

Der Langacker explodierte. Spielerinnen, Bank und Fans lagen sich in den Armen, bei den Gästen fielen die Köpfe nach unten. Neunzig Minuten Mauerwerk, mit einem Schuss eingerissen.

Dass dieser Treffer nicht aus dem Nichts kam, verrät der Blick auf die Bank: Sechs Auswechselspielerinnen standen bereit, und alle sechs kamen zum Einsatz. Jede einzelne hat ihren Anteil daran, dass am Ende noch frische Beine da waren, als es darauf ankam.

Fazit

Ein Punkt, der sich anfühlt wie ein Sieg – und der mehr über diese Mannschaft verrät als manch ein klarer Erfolg. Natürlich bleiben die Patzer vor dem 0:1 und die Wackler beim Klären im eigenen Strafraum Hausaufgaben fürs Training. Doch wer gegen ein derart verstärktes Bollwerk vierundneunzig Minuten lang den Glauben nicht verliert, Rückstand, Frust und eine Zweitliga-Abwehr inklusive, der bringt etwas mit, das sich nicht trainieren lässt. Genau dieser Charakter ist es, der unsere Frauen durch diese Saison trägt: Erwartet hatte niemand etwas von diesem jungen Team, und nach neun Spieltagen steht es auf Rang drei, mit souveränem Abstand zum Mittelfeld. Es liegt etwas in der Luft.

Ausblick

Einmal heisst es noch sammeln und warm anziehen. Am Sonntag um 10:00 Uhr kommt der FC Uster III an den Langacker, Tabellenzweiter – und ein Gegner, der sich im Notfall gleich aus zwei Mannschaften bedienen könnte. Nach diesem Mittwochabend weiss in Herrliberg aber jede: Es ist erst vorbei, wenn der Schiedsrichter pfeift. Hopp Herrliberg!

Telegramm

Frauen 1Heim
1:1 (0:1)
FFC Südost Zürich 2Gast
Mi. 28.10.2026, 20:00 Meisterschaft Frauen 4. Liga · Gruppe 4 Langacker, Herrliberg - Platz A (Kunstrasen)

Verlauf

9 Nr. 20 ersetzt durch Nr. 10 FFC Südost Zürich 2
10 0:1 FFC Südost Zürich 2 Nr. 7
26 Nr. 5 ersetzt durch Nr. 11 FFC Südost Zürich 2
35 Ellen Jufer ersetzt Lianne Rechberger FC Herrliberg
35 Nr. 10 ersetzt durch Nr. 9 FFC Südost Zürich 2
35 Nr. 7 ersetzt durch Nr. 22 FFC Südost Zürich 2
46 Nr. 15 ersetzt durch Nr. 13 FFC Südost Zürich 2
47 Melisa Ademi ersetzt Alisa Berger FC Herrliberg
47 Siri Ringdal ersetzt Fabienne Schneider FC Herrliberg
54 Nr. 14 ersetzt durch Nr. 10 FFC Südost Zürich 2
64 Nr. 22 ersetzt durch Nr. 5 FFC Südost Zürich 2
72 Sara Bösch ersetzt Siri Ringdal FC Herrliberg
72 Louva Hug ersetzt Maggie Moore FC Herrliberg
72 Aylin Bähler ersetzt Ellen Jufer FC Herrliberg
77 Nr. 12 ersetzt durch Nr. 15 FFC Südost Zürich 2
77 Nr. 9 ersetzt durch Nr. 20 FFC Südost Zürich 2
77 Nr. 5 ersetzt durch Nr. 7 FFC Südost Zürich 2
84 Maggie Moore ersetzt Marley Huber FC Herrliberg
90+4 1:1 FC Herrliberg Lorena Hug

Aufstellung

1 Nele Schreiber
2 Alisa Berger ↓ 47'
3 Isabella AcamporaC
5 Samara Rechberger
7 Maggie Moore ↓ 72' ↑ 84'
10 Emily Imboden
11 Lorena Hug 90+4'
12 Neea Wacker
13 Lianne Rechberger ↓ 35'
14 Marley Huber ↓ 84'
15 Fabienne Schneider ↓ 47'

Ersatz

4 Siri Ringdal ↑ 47' ↓ 72'
6 Ellen Jufer ↑ 35' ↓ 72'
9 Sara Bösch ↑ 72'
16 Louva Hug ↑ 72'
17 Melisa Ademi ↑ 47'
18 Aylin Bähler ↑ 72'

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