Sonntag, 25.10.2026 FC Egg Frauen – FC Herrliberg Frauen 1:2
«But can he do it on a cold rainy night in Stoke?» – diese Frage beantworteten unsere Frauen mit einem lauten Ja, denn trotz englischem Schmuddelwetter und «Kick and Rush»-Fussball auf dem Egger Eis (ähm, Fussball)-Feld kehrt Herrliberg mit drei Punkten im Gepäck heim. Unsere Frauen triumphierten in Egg mit 2:1. Wer dem Spiel nicht beiwohnte könnte sich jetzt denken, «gut, sie hatten vielleicht ein wenig Mühe, aber het ja glanged». Das Trainerduo, die Spielerinnen auf und neben dem Platz und nicht zuletzt die zahlreich angereisten Fans würden diese Aussage aber nicht gänzlich unterschreiben.
Was auf dem Papier nach einem Arbeitssieg aussah, war in Wahrheit ein brutales Gefecht, bei dem wir von Glück reden können, glimpflich angeschossen worden zu sein.
Sorgenkind Nummer eins: das Tor
Die erste Hiobsbotschaft ereilte uns ein paar Wochen vor Spielbeginn. Unsere Stammtorhüterin Nele war verreist und somit stellte sich uns die Frage wer die wichtigste aller Fussballpositionen einnehmen könnte. Unsere Torwarttrainerin Meike übernahm die Aufgabe drei selbstgewählte Kandidatinnen auf Herz und Nieren zu überprüfen, das geschah ganze 4 Tage vor Matchanpfiff. Meike nahm uns dankbarerweise auch gleich die Entscheidung ab, wer denn zwischen den Pfosten stehen sollte am Sonntag. Maggie Moore, normalerweise blitzschnelle Konterstürmerin, übernahm die respekteinflössende Aufgabe unser Tor zu hüten. Danke für deinen Einsatz Maggie!
Sorgenkind Nummer zwei: der Himmel
Das zweite Sorgenkind sollte das Wetter werden, das sich an diesem garstigen Nachmittag von einer untypischen Seite zeigte: waagerechter Regenfall, Kälte, die einem das Mark in den Knochen erfrieren liess und ein orkanartiger Wind, der jeden Ball, der über dem Boden abhob, zur Zitterpartie werden liess.
Fehlstart nach fünf Minuten
Mit schlotternden Beinen starteten wir also ins drittletzte Meisterschaftsspiel. «All to play for», die FCH Frauen hatten schliesslich ihren 3. Tabellenrang zu verteidigen, während Egg scharf darauf war, uns genau diesen Platz direkt wieder abzujagen.
Eigentlich starten wir gewohnt aggressiv pressend und torgefährlich in die Spiele. Aber der FC Egg hatte einen ganz anderen Matchplan parat, denn nach 5 Minuten sorgte die gegnerische Kapitänin für erste sorgenvolle Falten auf den noch jungen Gesichtern des Trainerduos. Nach einem hohen Ball gelang es unserer Verteidigung nicht den Ball aus dem Strafraum zu boxen, der Ball versprang und landete vor der Innenverteidigerin, die ihren Offensivausflug ernst nahm und den Ball versenkte.
0:1 FC Egg, Anina Olivia Elsinger 5′
Danach folgten leider die schwächsten 35 Minuten der ganzen FCH Frauen Geschichte. Wir kamen nicht einmal in die Nähe von Zweikämpfen, spielten 5 Meterpässe halbhoch aufs Knie, verloren Bälle in der eigenen Platzhälfte und konnten keine Offensivspitzen setzen gegen ein eigentlich durchschnittlich starkes Auftreten seitens des FC Egg.
Das Beste an der Halbzeit war eigentlich nur das Resultat. Gegen andere Gegnerinnen hätten wir wohl zur gleichen Zeit bereits deutlicher im Rückstand gelegen. Lichtblicke schaffte uns vor allem Maggie, die für ihr erstes Auftreten im Tor unfassbar gut und sicher gehalten hat.
Der Ausgleich im perfekten Moment
Das buchstäblich dahinplätschernde Spiel nahm einer der beiden Trainer als Anlass, sich bereits 5 Minuten früher in die Kabine zu verziehen, um ein paar taktische Umstellungen zu visualisieren. Doch wie es der Zufall (oder das Schicksal?) so wollte glich Lianne Rechberger just in diesem Moment zum 1:1 aus. Das schöpfte bei den Spielerinnen immerhin nochmals Hoffnung, um wie so oft stärker aus der Pause zurückzukehren.
1:1 FCH Lianne Rechberger 43′
Halbzeitpause
Zweite Halbzeit: Sturm und Freistoss
Mit dem langsam steigenden fussballerischen Niveau stieg gleichzeitig auch der Frust der Gewitterwolken, denn die gaben besonders in der zweiten Halbzeit nochmals Vollgas. Peitschender Wind, Regenschauer, die langsam in die Jackenkrägen krochen und ein Fussballplatz der von Minute zu Minute rutschiger wurde.
Leider forderte genau dieser Umstand gleich zweimal ihren Tribut. Sowohl Fiona Monteleone als auch Melisa Ademi rutschten nach harten Zweikämpfen auf dem Kunstrasen aus und verletzten sich denkbar ungünstig am Rücken. Beide Spielerinnen wurden sofort nach Hause gefahren, danke für eueren Einsatz. Fiona hat nach ihrem verheerenden Zweikampf immerhin einen Freistoss herausgeholt, der Folgen haben sollte.
Und tatsächlich: Unsere Frauen bewiesen einmal mehr, wie sie Rückschläge oder Schwächephasen vergessen können in 10 Minuten. Plötzlich spürte man selbst von der Seitenlinie aus, dass mehr Kräfte mobilisiert werden konnten. Egg strauchelte mit der neugewonnenen Selbstverständlichkeit und es dauerte keine 5 Minuten bis Lorena Hug die Spielerinnen und die Bank mit Jubel erlöste. Grund dafür: Der Freistoss, den Fiona mit ihrer letzten Aktion herausholen konnte.
2:1 FCH Lorena Hug 50′
Danach konnte der FCH das Niveau zwar halten, aber nicht mehr die Extrameile gehen, um den Deckel auf den Topf zu halten. Es folgten auf beiden Seiten zwar gelegentlich Abschlüsse (wir hatten die besseren Chancen), dennoch blieb uns ein weiteres Tor verwehrt.
Alle Bankspielerinnen kamen zum Einsatz und zeigten wieder einmal wie wichtig es ist, dass man auf euch zählen kann, egal wie der Spielstand auch aussehen mag. Der frische Wind der Jugend trug uns gerade so durch die härtesten 90 Minuten der Saison. Egg blieb weitflächig ungefährlich und hatten den Biss aus der ersten Halbzeit definitiv verloren.
Fazit: Zittern, bibbern, jubeln
2 erstarrte Trainer, 15 schockgefrostete Spielerinnen und mindestens genau so viele bibbernden Zuschauer schauen auf ein Spiel zurück, das sich dank der drei eingeheimsten Punkte und dem unwirtlichen Wetter im Gedächtnis bleiben wird.
So lohnte sich unser Ausflug nach Egg doch noch und wir zementieren uns langsam aber sicher auf dem dritten Tabellenrang. Lichtblick: Wir haben ein Spiel weniger als unsere direkten Kontrahentinnen, daher bleibt es auch am kommenden Mittwoch spannend gegen den FC Südost wenn es wieder heisst «Hopp Herrliberg»!
Telegramm
Verlauf
Aufstellung
Ersatz
VerbandSpielbericht beim FVRZ


