Matchbericht zur Meisterschaft, Frauen 4. Liga, Vorrunde FC Hinwil – FC Herrliberg 0:2
Nach dem Nervenkrimi gegen Küsnacht ging der Blick letzte Woche schon Richtung Zürcher Oberland – und dort hätte unser Team die Partie eigentlich schon zur Pause für sich entscheiden können – so wurde aus einer eigentlich klaren Angelegenheit im Verlauf der hochspannenden 90 Minuten zunehmend eine weitere Zitterpartie.
Bereits vor dem Anpfiff gab’s ein Novum: Aylin Bähler feierte in der zweiten Halbzeit als Sommer-Neuzugang ihr Debüt im (heute leider grässlich-grünen) Herrliberger Dress – herzlich willkommen!
Erste Halbzeit: eine Klasse für sich
Was unser Team in den ersten 45 Minuten auf den Platz brachte, war streckenweise Fussballunterricht. Spielerisch wie läuferisch war Hinwil in dieser Phase klar unterlegen. Fiona und Lorena spielten mit extrem feinem Füsschen, gewannen reihenweise 1-gegen-1-Duelle und schickten messerscharfe Pässe durch die gegnerische Reihen, die wie Butter durch die Verteidigung rollten. Vier hochprozentige Chancen erspielte sich unser Team in dieser Phase mit bildhübschen Passstafetten, doch nur eine davon fand den Weg ins Netz – Emilys Schuss aus schwierigem Winkel an die Latte bleibt dabei die grosse Was-wäre-wenn-Szene der ersten Halbzeit. Der einzige Lohn dieser Dominanz: der Führungstreffer kurz vor der Pause. Frisch von der Bank gekommen und nur fünf Minuten später versenkt Sara Bösch das Leder endlich in den Hinwiler Maschen.
45′ 0:1 Sara Bösch
Mit diesem knappen Vorsprung ging es in die Kabine – ein Polster, das sich im Nachhinein als zu dünn erweisen sollte, um Hinwil endgültig zu brechen.
Bewässerungspause mit Folgen
In der Halbzeit wurde der Kunstrasen satte 15 Minuten lang bewässert – aus Fussballsicht eine zweifelhafte Idee, denn der Platz verwandelte sich danach in eine veritable Rutschbahn und damit in eine echte Gefahrenquelle für alle Spielerinnen auf dem Feld. Sowohl Lorena als auch Emily bezahlten dafür im Laufe der zweiten Halbzeit ihren Tribut und kamen auf dem glitschigen Geläuf unschuldig zu Fall – zum Glück ohne bleibenden Schaden, aber ein dramatisches Ärgernis, das so nicht hätte sein stattfinden dürfen!
Zweite Halbzeit: Zähne zusammenbeissen statt Glanz
Weil die Führung so knapp blieb, roch Hinwil nach dem Seitenwechsel weiter Blut. Dazu kamen schwerere Beine und ein zunehmend tückischer Rasen – zusammen sorgte das für ein regelrechtes Powerplay der Heimmannschaft. Unser Team zeigte in dieser Phase aber genau den Charakter, den es braucht, um solche Spiele über die Zeit zu bringen: kein Tor zugelassen, trotz spürbar nachlassender Frische.
Mittendrin brillierte Samara gleich auf zwei Positionen: zuerst auf der rechten Aussenbahn in der Verteidigung, später als bewährte Sechserin im Zentrum – überall dort, wo sie gebraucht wurde, war sie zur Stelle. Auch Marley löste ihren Aushilfsjob (unsere Stammverteidigerin Neea ist in den Ferien – gnüss es) auf der linken Verteidigungsseite sensationell, und Ellen spulte einmal mehr unermüdlich die vollen 90 Minuten ab und krönte sich damit zur Marathonläuferin der Mannschaft.
Dann, kurz vor Abpfiff, der Moment, der das Spiel endgültig entschied – zunächst mit Herzklopfen, dann mit Erlösung. Nele Schreiber, die vor einer Woche noch mit einem unglücklichen Abpraller haderte, zeigte, aus welchem Holz sie geschnitzt ist, und parierte im letzten Moment eine Hundertprozentige, die Hinwil unweigerlich zurück ins Spiel gebracht hätte.
90′ Riesenparade Nele Schreiber
Die Antwort auf diese Glanztat liess nicht lange auf sich warten: Praktisch im Gegenzug schnürte Emily Imboden – bereits im Cupspiel und gegen Küsnacht goldrichtig – ihren Treffer der dritten Partie in Folge und machte mit dem 0:2 endlich alles klar.
90’+6′ 0:2 Emily Imboden
Gelb auch für die Bank
Sonderlob – oder eher Sonderrüge – geht an unser schelmisches Trainerduo: Sowohl Franco als auch Gianluca sahen im Verlauf der Partie aufgrund der selben Szene und demselben Grund die gelbe Karte. Emotionen pur an der Seitenlinie, offenbar zu ansteckend für die beiden Südblütler.
Nach Abpfiff durfte auf dem Platz aber ohne Angst vor einer gelben Karte geschrien werden, denn nun stand fest:
Schlussresultat: 0:2
Fazit
Eine Halbzeit zum Vorzeigen, die aber zu wenig zwingend genutzt wurde, und eine Halbzeit zum Durchbeissen, weil man den Gegner dadurch selbst im Spiel liess – am Ende zählt aber nur das Resultat, und das stimmt: zwei von zwei Spielen gewonnen zum Saisonstart, Tabellenplatz 1 in der Meisterschaft! Die Strafpunkte für die gelben Karten unseres Trainerduos sind da natürlich noch nicht eingerechnet. Dass Nele nach einem sonst sehr ruhigen Spiel für sie mit einer Riesenparade aus dem Nichts eigenständig den Deckel drauf hält, ist die schönste Pointe dieses Nachmittags – und unser neues Star-Duo in Form von Emily und Sara trifft mittlerweile mit der Regelmässigkeit einer IWC.
Hopp Herrliberg! ⚫🟡
Telegramm
Verlauf
Aufstellung
Ersatz
VerbandSpielbericht beim FVRZ


